Wir alle sind DigitALternative

Trotz schönsten Sommerwetters trafen sich rund 65 Interessierte im Dassendorfer Multifunktionssaal, um sich über digitale Alternativen zu den Plattformen und Apps der US-amerikanischen Großtechnologieunternehmen zu informieren. Der Moderator des Abends Burkhard Czarnitzki (GRÜNE Aumühle) präsentierte ein vielfältiges Programm.

Er begann mit der Vorstellung des DI.Day („Digital Independence Day“). Erstmalig wurde die Idee des DI.Day von Marc-Uwe Kling auf dem Chaos Communication Congress 2025 in einem Video präsentiert. Ein Bündnis aus verschiedenen Organisationen und der ethischen Hackergruppe Chaos Computer Club ruft zu einem monatlichen digitalen Unabhängigkeitstag auf. Mit dem Ziel, die Demokratie zu schützen, wollen die Verantwortlichen nach eigenen Angaben Menschen dazu ermutigen, ihre digital genutzten Plattformen kritisch zu hinterfragen und möglichst europäische Plattformen und Apps zu nutzen bzw. zu diesen zu wechseln. An jedem 1. Sonntag im Monat werden bundesweit Treffen organisiert, an denen Wechselrezepte angeboten werden und Interessierte sich austauschen und voneinander lernen können.

Das Thema „digitale Unabhängigkeit“ ist seit einiger Zeit auch in den Medien präsent. Große Aufmerksamkeit erreichte z.B. Katharina Dröge (Co-Vorsitzende der GRÜNEN-Bundestagsfraktion), die zusammen mit anderen Politikerinnen und Politikern von SPD, GRÜNEN und Linken die Onlineplattform X (vormals Twitter) verlassen und Ihre Entscheidung ausführlich begründet hat.

Die Landtagsabgeordneten Uta Röpcke (GRÜNE Wohltorf) und Sebastian Bonau (GRÜNE Glücksburg, u.a. digitalpolitischer Sprecher der Landtagsfraktion) referierten über den negativen Einfluss der US-amerikanischen Monopolunternehmen, die den digitalen Raum kontrollieren. Sebastian Bonau erläuterte anschaulich die Open-Source-Strategie der schleswig-holsteinischen Landesregierung. Seit Ende 2024 wird die gesamte öffentliche Verwaltung des Landes von Microsoft-Produkten auf Open-Source-Produkte (Software mit offen zugänglichem Quellcode) umgestellt. Das Hauptziel in Schleswig-Holstein ist die Sicherung der digitalen Souveränität, um die Hoheit und Kontrolle über eigene und anvertraute Daten zu behalten und die eingesetzte IT für eigene Zwecke selbstbestimmt gestalten und nutzen zu können. „Nebenbei“ spart das Land rund 5 Mio. Euro/Jahr an Lizenzgebühren, die nun nicht mehr an Microsoft gezahlt werden müssen. Insgesamt ist das anfangs teilweise belächelte Projekt inzwischen zu einem Vorbild für andere Bundesländer geworden. Und nicht nur das: Der Digitalminister Schleswig-Holsteins, Dirk Schrödter (CDU), erhält in Kopenhagen den Libre Preis 2026 für – laut Jury – eine der konkretesten und praxisnahesten Initiativen Europas zur Stärkung digitaler Souveränität.

Sebastian Bonau informierte anschließend über die vielfältigen Möglichkeiten auch für Privatpersonen, ihre Software unabhängig von US-Big-Tech zu machen. Es entwickelte sich eine lebhafte Diskussion mit den Zuhörenden, die viele Tipps zum Wechsel auf alternative europäische Produkte bekamen. Sebastian Bonau betonte mehrmals, dass niemand den Anspruch haben müsse, sofort die gesamte private Software umzustellen, sondern dass kleine Schritte letztendlich auch zum Ziel führen.

Im zweiten Teil des Abends referierten Axel Potthoff (Wohltorf) über seine guten Erfahrungen mit dem Wechsel des Betriebssystems zu Linux sowie Burkhard Czarnitzki über europäische Software-Alternativen für Social Media, Messenger-Apps, Musikplattformen und Zahlungsdienstleistern.

Begleitet wurde die Veranstaltung von Meinungsumfragen durch Nikolai Kreinhöfer (GRÜNE Aumühle). Die Zuhörenden beantworteten über ihre Smartphones in Echtzeit Fragen zur Digitalisierung. Die Ergebnisse wurden umgehend grafisch dargestellt.

Eine Auswahl der Präsentation der Veranstaltung finden Sie hier.

Am Ende des Abends standen die Experten den Zuhörenden für Fragen zur Verfügung. Die Möglichkeit zum Austausch und zur Diskussion wurde intensiv genutzt. Es gab sehr viel positive Resonanz für einen informativen und inspirierenden Abend, der die Zuhörenden verdeutlichte: Digitale Unabhängigkeit ist machbar!